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Harter Sparkurs wegen schlechter Zahlen: US-Finanzinvestor soll Axel Springer auf Vordermann bringen

RT Deutsch

Das sich der Journalismus im Wandel befindet, ist nicht einmal mehr ein offenes Geheimnis. Vor allem die sogenannte Digitalisierung wird dabei als Herausforderung für den Niedergang des klassischen Printjournalismus ausgemacht. In Zeiten eines kontinuierlich sinkenden Vertrauens der Rezipienten in die diversen Medienerzeugnisse ist es mit dem Verweis auf die digitalen Technologien aber sicherlich nicht getan.

In diesem Spannungsfeld begann am Dienstag die jährliche Betriebsrätekonferenz des vielleicht bekanntesten deutschen Medienkonzerns Axel Springer unter dessen Vorstandsvorsitzendem Mathias Döpfner. Dieser sprach in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) von einer "neuen Ära im Sinne eines Befreiungsschlags", die nun im Hause Axel Springer angebrochen sei. Eines Konzerns der 1985 noch als reines Printunternehmen an die Börse ging und damit eines der ganz wenigen deutschen Medienhäuser ist, das seitdem als Aktiengesellschaft an der Börse notiert ist.

Seither gilt wohl auch offiziell "Wachstum" mehr als jemals zuvor als neues Zauberwort.

(…) das einzige, was wir den Aktionären anbieten konnten, waren verlässlich steigende Gewinne durch Kosteneinsparungen und steigende Dividenden", ruft Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner sich die goldenen, aber längst vergangenen Springer-Zeiten in Erinnerung.

Nun heißt das Zauberwort, wie in der Industrie üblich, "Verschlankung" bzw. "Restrukturierung" und zwar überall dort, wo es alles andere als rund läuft, und das ist offensichtlich vor allem bei den Springer-Flaggschiffen Welt und BILD der Fall.

Wo strukturell Umsatzrückgang herrscht, müssen wir restrukturieren und Arbeitsplätze abbauen", fasst Döpfner die Marschrichtung zusammen.

Bei BILD und Welt ging der Umsatz im ersten Halbjahr 2019 "um mehr als acht Prozent auf 480 Millionen Euro" zurück. Der Auflagenrückgang ist demzufolge vor allem auf einen kontinuierlichen Rückgang der Werbe- und Verkaufserlöse im Vertrieb zurückzuführen.

Jetzt will man die Börse verlassen, um sich ohne regelmäßige Rechenschaftspflicht und unter dem Radar einer womöglich kritischen Öffentlichkeit gesund zu sanieren. Hinter den Kulissen will man profitabler werden, um endlich als Digitalkonzern im Konzert der ganz großen Medienkonzerne mitzuspielen.

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Gelingen soll das ganz große neue Wachstum mit Hilfe des US-Finanzinvestors KKR (ehemals Kohlberg Kravis Roberts & Co), der sich in Deutschland auf Einkaufstour befindet. Ohne viel Federlesens ist die Investmentfirma als größter Anteilseigner in das Medienunternehmen eingestiegen. KKR verfügt aufgrund des "Megadeals" damit nun über 42,5 Prozent der Springer-Anteile und damit ganze 0,5 Prozent weniger als Verlagserbin Friede Springer mit 43 Prozent.

Im Juni hatte KKR ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreitet, das vom Springer-Vorstand und vom Aufsichtsrat unterstützt wurde. Vielleicht fühlte sich Döpfner aufgrund des neuen angloamerikanischen Unternehmergeistes, der nun in den Verlagshallen einziehen wird, dazu veranlasst zu betonen, dass "der Journalismus (…) Wesenskern und DNA des Hauses" Springer bleiben werde. Eines Verlages, der vor allem in wachsende Sparten wie Business Insider, Upday und die US-Zeitung Politico, deren europäische Ausgabe seit April 2015 in einem Joint Venture mit dem Axel Springer Verlag erscheint.

In diese Aktivitäten müssen wir investieren. Deshalb haben wir gesagt: Wir brauchen einen Partner, der diesen Wachstumskurs unterstützt. Es geht um Unternehmertum", erläutert Döpfner den Hintergrund des Einstiegs des Private-Equity-Hauses KKR.

Der Vollzug des rund 2,9 Milliarden Euro schweren KKR-Angebots hängt demnach jedoch u. a. noch von kartellrechtlichen Genehmigungen ab. Von "Journalismus als Wesenskern" spricht dessen Europa-Chef Johannes Huth im SZ-Interview allerdings nicht:

Uns interessiert das gesamte Axel-Springer-Geschäft, Journalismus ist ein Kernbereich dessen. BILD ist eine fantastische Marke. Hier würden wir gerne mehr investieren. Wir glauben, die Transformation von Print- zu Digitalgeschäft ist etwas sehr Interessantes. Da gibt es erfolgreiche Modelle, von denen man lernen kann, etwa bei der Washington Post.

Also der chronisch defizitären US-Traditionszeitung, die einen solventen Gönner und Investoren in Amazon-Chef Jeff Bezos fand. Im August 2013 übernahm der Internetunternehmer gleich als Privatperson das 1877 gegründete Traditionsblatt. Effizienz und Profitabilität standen unter Bezos von nun an oberster Stelle. Und die Rechnung ging auf: Seit 2016 schreibt das Blatt wieder schwarze Zahlen.

Diese Aussichten lassen die Belegschaft bei Axel Springer alles andere als jubilieren. In deren Reihen steigt vielmehr die Anspannung, nachdem Vorstandschef Döpfner "einen großen Schnitt" Richtung Wachstum ankündigte.

In Summe werden wir Arbeitsplätze aufbauen", ist sich Döpfner jedoch sicher.

"Wir werden eher bei den Häuptlingen als bei den Indianern sparen. Wir verschlanken die Hierarchien", heißt das dann in der Döpfner benutzten Mundart der Finanzbranche.

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September 19th 2019, 6:15 am
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